Ehenfeld. Die Bittgänge sind eine bedeutende Tradition in vielen katholischen Pfarreien und zeigen die Verbindung zwischen der christlichen Liturgie und der landwirtschaftlichen Praxis.
Im 5. Jahrhundert wurde im Bistum Lyon/Frankreich wegen Erdbeben und Missernten angeordnet, an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt Bußprozessionen, verbunden mit Fasten, abzuhalten. Um 800 wurden die drei Bitttage von Papst Leo III. auch in Rom und dem gesamten Bereich der römischen Liturgie eingeführt, allerdings ohne vorgeschriebenes Fasten.
Ein Bittgang (auch Bittprozession oder Flurprozession) ist eine traditionelle christliche Prozession, bei der Gläubige betend durch Flur und Wald ziehen. Dabei wird um Gottes Segen für eine gute Ernte, gedeihliches Wetter und oft auch für Frieden oder die Bewahrung der Schöpfung gebetet.
Der Brauch der Bittgänge ist in ländlichen Regionen erhalten geblieben, sie wurden aber dem heutigen Arbeits- und Lebensrhythmus angepasst und finden in den Abendstunden statt. Dabei werden Rosenkranzgebete, Litaneien und Psalmen gebetet und im Monat Mai, vor allem Marien-Lieder gesungen. Auch in der Pfarrei Ehenfeld lebt diese Tradition fort.
Früher fanden die Bittgänge am frühen Morgen, meistens um 7 Uhr, statt. Dabei waren auch die Schulkinder und der Lehrer. Am Montag ging man nach Großschönbrunn dort wurde Gottesdienst gefeiert. Vielen älteren Gläubigen sind auch noch die anschließende Einkehr in das örtliche Gasthaus und die guten Bratwürste in guter Erinnerung. Am Dienstag ging es dann nach Hirschau und zurück. Entweder war das Ziel die Kapelle am Kalvarienberg, dort wurde dann eine Andacht abgehalten oder es ging bis zur Vierzehnnothelfer Kirche, wo eine Schauermesse gefeiert wurde. Letztes Ziel war am Mittwoch Massenricht. In der dortigen Ortskirche St. Josef wurde ebenfalls eine Schauermesse gefeiert. Das alte bayerische Wort „Schauer“ bezeichnete ursprünglich ja den Hagelschlag. Somit sind Schauermessen Gottesdienste, um von Gott die Abwendung von Hagelschauern oder auch anderen Unwettern zu erbitten.
Auch Ehenfeld war das Ziel mancher Bittgänge. So pilgerten die Gläubigen aus Kohlberg, Großschönbrunn und Hirschau zur Pfarrkirche St. Michael.
Da sich die Arbeitswelt verändert hatte und viele Gläubige nicht mehr in Ehenfeld arbeiteten, wurden die Bittgänge ab 1966 am Abend abgehalten. Auch die Strecken haben sich im Lauf der Jahre immer wieder geändert. So war auch die Kapelle bei Kindlas das Ziel eines Bittganges.
Aktuell gelten folgende Strecken. Am Montag gehen die Gläubigen von Massenricht nach Obersteinbach zur dortigen Kapelle, wo eine Andacht abgehalten wird und pilgern dann zurück. Ende des Jahres 2003 wurden die beiden Pfarreien Mariä Himmelfahrt Hirschau und St. Michael Ehenfeld eine Pfarreiengemeinschaft. Seit 2004 pilgern Gläubige von den beiden Heimatorten aus, zum Weiher an der Hölzlmühle, der ungefähr in der Mitte liegt und feiern dort gemeinsam Gottesdienst. Anschließend machen sie sich betend wieder auf den Heimweg. Am Mittwoch geht es dann von der Pfarrkirche aus zur Kapelle auf dem nahen Kalvarienberg und zurück. In der Pfarrkirche St. Michael wird dann ein Gottesdienst gefeiert.
Zum Abschluss dieser Bitttage wird noch ein Flurumgang abgehalten. Früher immer am Sonntag nach Christi Himmelfahrt, ging es betend rund um die Fluren des Dorfes. Im Jahr 1966 fand die Flurbereinigung hier statt. Viele Wege in und um den Ort waren nicht begehbar, darum führte die Flurprozession Richtung Massenricht. Die Altäre wurden von der Massenrichter Jugend aufgebaut. Sie standen beim Strobl in Träglhof und beim Höchmarterl. Schon seit vielen Jahren schon wird der Flurumgang in Ehenfeld nun nach dem Gottesdienst am Pfingstmontag durchgeführt.
Früher wurde auch in der Pfarrei Ehenfeld die alte Tradition der Markusprozession gepflegt. Sie bildete am Tag des Hl. Markus ( 25. April ) den Auftakt zu den Bittprozessionen des Frühlings und führte immer von Ehenfeld nach Massenricht und zurück. Die letzte Markusprozession ist datiert auf den 25. April, 1969. Mit dem Markustag beginnt die Kirche auch, den Wettersegen zu beten, der in einer Zeit des Klimawandels umso bedeutender wird.